Dienstag, 12. Mai 2009
DMP-Tag
Heute ist wieder "DMP-Tag", das heißt, heute kommt wieder ein Schwung meiner Diabetiker zum quartalsweisen Disease-Management-Programm.

Grundsätzlch haben sich das schlaue Köpfe in USA einfallen lassen, um schlecht- oder unversorgte chronische Patienten (z.B. Diabetiker) "standardisiert" zu untersuchen und zu behandeln. Warum? Weil in USA wohl viele Menschen sich teure Behandlungen nicht leisten können und "DMP" so etwas wie ein Qualitätszertifikat oder Gütesiegel darstellt für möglichst niedrige + effektive Behandlungskosten.

Obwohl das in Deutschland eigentlich kein Problem darstellt - wer zum Arzt will, kann und muß (außer der Praxisgebühr) nicht einmal was zahlen. Und wer Medikamente braucht, muß diese auch nicht aus der eigenen Tasche zahlen (jedenfalls weitgehend) - hat unsere Gesundheitsministerin die DMP's doch in Deutschland eingeführt. Böse Zungen sagen dazu "Kochbuchmedizin" und dass sie damit die Behandlungskosten nur noch weiter absenken will (aber nicht unbedingt zum Vorteil der Patienten).

Na ja, heute kommen sie wieder. Und da muß man dann wieder ständig sagen: "Nein, Frau Adel, die gestiegenen Zuckerwerte kommen nicht von den neuen, stärkeren Zuckertabletten, sondern von noch mehr Kuchen" und "Nein, Herr Treublick, das Cholesterin steigt nach dem Essen, nicht nach dem Hungern" u.s.w.. Und dann kommt da auch wieder Frau Weinreich, der ich immer wieder erklären muss, dass ihre Krankheit nicht daher kommt, dass ich sie in's Krankenhaus geschickt habe, sondern dass ich sie vielmehr deshalb in's Krankenhaus geschickt habe, weil ihre Krankheit ambulant nicht mehr zu behandeln war!!!

Und irgendwie - am Ende dieses Tages - denke ich mir wieder: die DMP's sind von den Politikern (die sich am Ende der Beliebtheitsskale so total ungerecht bewertet fühlen) doch nur deshalb eingeführt wurden um uns Ärzte klar zu machen, dass auch wir keine Götter sind, dass die Patienten uns nicht alles von den Lippen ablesen und sofort begeistert umsetzen.

Und dann denke ich mir: so ein Halbgott hat's doch schwer.

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eigentlich ist das mit den DMPs ja eine gute Sache, zumindest in der Theorie: So kann man wenigstens halbwegs sicher sein, dass man nichts wichtiges vergisst. Aber in der Praxis... ausser Bürokrarie nichts gewesen, oder?

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Im Prinzip, ja ...
Frage an Radio Eriwan (wer kennt das noch?):
Ist DMP gutt?

Antwort:
im Prinzip ja, aber nur, wenn Ärztkammer und Fachgesellschaften die Vorgaben machen. Wenn dagegen die Politik die medizinische Behandlung vorgibt, ist so gutt (oder schlächt) wie Politik!

Spass beiseite: Deutschland hat 1961 den Starfighter (Loockheed F104 G) ein leichtes Jagdflugzeug aus Amerika gekauft und es zum Jagd-Bomber umgebaut. Quintessenz: 292 Abstürze mit 116 toten Piloten.

Die Multiple-Choice-Prüfungen wurden in den USA entwickelt um eine billige Basis-Vorselektion zu ermöglichen. Deutsche Universitäten (insbes. Medizin) mussten sie bis vor wenigen Jahren als ausschließliche Prüfungsform nahezu aller Prüfungen (bis zum 3. Staatsexamen!) benutzen - mit äußerst fragwürdigen Folgen: nicht mehr Verständnis und Fähigkeiten wurden gepaukt, sondern nur noch theortisches Fachwissen. Erst vor wenigen Jahren wurde dieser Schwachsinn - teilweise - wieder zurückgefahren.

Die ICD-Klassifizierung wurde eingeführt als Klassifizierung einer Sterbestatistik (deshalb gibts da auch - in Deutschland ausgeblendete - Ziffern für "Sterben auf dem Schlachtfeld" oder "Tod durch Vergiftung mit chemischen Kampfstoffen"). Deutschland missbraucht diese Klassifizierung zur Bewertung und juristischen Begründung ärztlicher Leistungen und Verordnungen zwecks Honorarberechnung!

DMP's haben die Aufgabe amerikanische Patienten vor überflüssiger und überteuerter Diagnostik und Therapie zu bewahren. In Deutschland werden die DMP's aber dazu eingesetzt, die S t a a t s-Ausgaben für diese Krankheiten niedrig zu halten. Bestes Beispiel: Die Deutsche Gesellschaft für Diabetologie (DDG) empfiehlt als Anfangs-Interventionswert einen HbA1c von 6.5%, die Politik hatte für den Beginn der medikamentösen Behandlung von Diabetikern im DMP aber einen Wert von 7.5% vorgesehen. Erst nach Massiven Protesten wurde der Wert auf 7.0 abgesenkt!

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