Mittwoch, 23. Juni 2010
Hans-Jochim Sewering ist tot
Hans-Jochim Sewering ist tot. Er war einer jener Mächtigen unter den Ärzten, die einerseits maßgeblich für die hohen Einkünften der Ärzte in der Nachkriegszeit verantwortlich waren, was dann zur Gegenreaktion (Kürzung und trotzdem Aufrechterhaltung des Märchens von den hohen Ärztehonoraren) geführt hat, andererseits auch für das lädierte Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit und vor allem für den Grabenkrieg zwischen Haus- und Fachärzten.

Insbesonders den Hausärzten/Allgemeinärzten hat er - als jahrzehntelanger Fortbildungsverantwortlicher der Bundesärztkammer - übel mitgespielt, weil er sein Leben lang die Maxime vertreten hat, der "praktische" Arzt sei der "nicht weitergebildete" Arzt (der dürfe die "Basis"arbeit machen) und eine Weiterbildung gäbe es nur in den einzelnen Organfächern (hier spielt sich dann die "echte" Medizin ab). Dies bedeutet, dass er - als Gynäkologe - die Aufgaben und Arbeitsweise der Hausärzte aus Arroganz und Überheblichkeit schlichtweg nicht erkannt und damit geleugnet hat.

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Nachruf
Ach tut das gut! Endlich mal ein vernünftiger Nachruf. Als ich die Überschrift las, dachte ich schon, jetzt kommt der Standardnachrufbla. Absolut richtig, lieber Landarsch, die Folgen dieser näselnden Organarztarroganz hatte ich auch gespürt, obwohl ich damals noch Sewering nur mit seinem stets falsch zitierten Spruch des sozialverträglichen Frühablebens verbunden habe. Diese Abwertung der Hausarztarbeit ist auch heute noch in der KV zu spüren. Sewering hatte keine Visionen, war nicht weise und hatte keine kommunikativen Talente. Das war ein arroganter Machtpolitiker, dessen Interviewpräsenz mich irgendwie an die “Langnasenschlange der SPD mit der Fliege” erinnert. Das hätte man genauso zu Lebzeiten sagen können, nu kams halt gerade zum letzten Anlass.

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